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17/05/2017 20:45:27
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Börsen-Zeitung: Zweite Chance, Kommentar zur Deutschen Börse von Claus

Döring

Frankfurt (ots) - Die Abrechnung ist ausgeblieben. Selbst in

Vorstand und Aufsichtsrat hatte man angesichts des abermals

gescheiterten Fusionsanlaufs der Deutschen Börse mit der London Stock

Exchange mit einer härteren Auseinandersetzung in der ersten

Hauptversammlung nach Untersagung der Börsenhochzeit durch die

EU-Kommission gerechnet. Denn so "blauäugig und dilettantisch", wie

die Deutsche Börse nach Auffassung von Aktionärsvertretern das

Fusionsprojekt vorbereitet hatte, so professionell hat sie nach dem

Scheitern auf die neue Situation reagiert.

Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Faber wie auch Vorstandschef

Carsten Kengeter haben darauf verzichtet, die Dinge schön zu reden.

Ein Hauch von Demut wehte durch die eher spärlich besetzten Reihen in

der Frankfurter Jahrhunderthalle, als Faber die Hauptversammlung

eröffnete. Faber und Kengeter räumten Fehleinschätzungen und auch

handwerkliche Defizite ein und gelobten Besserung, selbst in der

Frage des erst vor Jahresfrist von den Aktionären beschlossenen

Vorstandsvergütungsmodells. Und sie haben das Ruder herumgerissen.

"Wir sind auch allein stark" - diese Aussage Kengeters in der

Hauptversammlung charakterisiert die strategische 180-Grad-Wende beim

Börsenbetreiber, für dessen Zukunft der Zusammenschluss mit London

vor wenigen Monaten noch als alternativlos galt und ein Plan B fürs

Scheitern der Fusion damit als obsolet.

Was Kengeter als künftige Säulen der Stand-alone-Strategie

vorstellte, wird weder Aktionäre noch Kunden vom Hocker hauen. Die

drei Wachstumsfelder, die er den Aktionären in der Hauptversammlung

beschrieb, sollten für einen Börsenbetreiber als selbstverständlich

gelten, sind aber wohl in Zeiten der Fokussierung auf den Deal etwas

aus dem Blick geraten. Nämlich erstens Wachstum im Kerngeschäft,

insbesondere im Handel und Clearing von Derivaten und mit dem

Einstieg in neue Anlageklassen wie dem Devisenhandel,

Unternehmensanleihen und Commodities. Zweitens Wachstum durch

Marktdaten und drittens Wachstum durch Digitalisierung - gezielte

Akquisitionen, Partnerschaften oder Beteiligungen eingeschlossen.

Der Brexit wurde zum Dealbreaker der Fusion mit London. Er könnte

nun als Katalysator des organischen Wachstums wirken, wenn die

Deutsche Börse es versteht, zur treibenden Kraft bei der

Konsolidierung und Weiterentwicklung des kontinentaleuropäischen

Kapitalmarktes zu werden. Es ist Kengeters zweite Chance.

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