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20/04/2017 20:45:31
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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Irrweg, Kommentar zum IWF von Mark Schrörs


Börsen-Zeitung: Irrweg, Kommentar zum IWF von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) - Wenn IWF-Chefin Christine Lagarde vor dem

"Schwert des Protektionismus" warnt, das über der Weltwirtschaft

schwebe, und vor einem Ende der globalen Wirtschaftszusammenarbeit,

dann schwingt natürlich ein gehöriges Stück Eigeninteresse mit: Der

Internationale Währungsfonds (IWF) ist die multilaterale

Wirtschaftsinstitution par excellence, das Sinnbild für diese

weltweite Kooperation. Das aber ändert rein gar nichts daran, dass

der Fonds absolut Recht hat: Die Geschichte lehrt, dass

(wirtschaftlicher) Isolationismus der völlig falsche Weg ist.

Umso wichtiger ist es, dass von der Frühjahrstagung des IWF und

der Weltbank am Wochenende sowie dem Treffen der G 20-Finanzminister

und -Notenbankchefs in Washington ein möglichst starkes Signal für

den Freihandel und für die multilaterale Kooperation ausgeht - auch

wenn das mit Blick auf die neue US-Administration unter Präsident

Donald Trump eine besondere Gratwanderung bedeutet.

Denn einerseits ist wohl niemandem gedient, wenn die Tagung zur

öffentlichen Generalabrechnung mit Trumps "Amerika zuerst"-Politik

mutiert. Dann bestünde das Risiko, dass sich Positionen und Fronten

verhärten. Für den IWF birgt das eine besondere Gefahr, ist es für

die USA als größtem Anteilseigner doch ein Leichtes, ihn zu lähmen.

So mancher Verhandlungspartner setzt deshalb darauf, dass auch bei

der US-Handelspolitik nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht

wird. Trumps Volte bei Chinas Handels- und Währungspolitik bestärkt

in der Tat Hoffnungen, dass eine Eskalation, ergo: ein globaler

Handelskrieg verhindert werden kann.

Andererseits aber braucht es doch auch klare Worte der Partner:

Das gilt für irrlichternde Aussagen wie jene von Trumps

Handelsbeauftragtem Wilbur Ross, der die Exportüberschüsse von

Ländern wie Deutschland als Beleg für eine protektionistische Politik

angeführt hat. Vor allem aber gilt das für die Vorteile, die der

freie Handel und die Globalisierung der Weltwirtschaft über

Jahrzehnte fraglos gebracht haben. Natürlich gibt es auch Verlierer

und die Politik muss sich um diese intensiver kümmern. Aber es ist

unlauter, Handelsabkommen zum Sündenbock für alle sozialen Probleme

zu machen.

Trumps Partner müssen ihn überzeugen, dass er irrt, wenn er

Wohlstand und Stärke durch Protektionismus verspricht. Und sie müssen

klarmachen, dass in einer globalisierten Welt mehr und nicht weniger

Kooperation das Gebot der Stunde ist. Wohin hingegen Protektionismus

und Abschottung führen, haben die dreißiger Jahre, als solches

Gebaren in die Weltwirtschaftskrise mündete, eindrucksvoll gezeigt.

Das sollte Lehre genug sein.

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