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07/08/2017 20:45:38
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Börsen-Zeitung: Der Gashahn bleibt offen, Kommentar zu Sanktionen von

Christoph Ruhkamp

Frankfurt (ots) - Im Extremfall könnten die neuen US-Sanktionen

gegen Russland schwerwiegende Folgen für die Energieversorgung

Europas haben. Wenn sich die westlichen Energiekonzerne zu stark

bedroht fühlten, würden sie ihre Finanzierung der Gaspipeline Nord

Stream 2 einstellen. Doch zeichnet sich derzeit ab, dass genau das

nicht geschehen wird. Dafür ist das Projekt einfach zu wichtig und zu

lukrativ. Neben Uniper und BASF/Wintershall aus Deutschland steuern

auch Engie aus Frankreich, OMV aus Österreich und Shell aus

Großbritannien jeweils rund 1 Mrd. Euro zu dem 10 Mrd. Euro teuren

Pipelinebau des russischen Staatskonzerns Gazprom bei.

Durch das 1200 Kilometer lange Rohr würden die Gasimporte aus

Russland nach Deutschland um ein Viertel auf 260 Mrd. Kubikmeter im

Jahr gesteigert. Das entspricht rund 40% statt bisher 33% des

deutschen Bedarfs. Europa braucht das Gas, weil die eigenen Quellen

in Norwegen und den Niederlanden zusehends versiegen und weil aus

Umwelterwägungen Gas die Atomkraft und die Kohle in den Kraftwerken

sowie das Öl in den Heizungen ersetzen soll.

Wenig spricht derzeit dafür, dass die fünf an Nord Stream 2

beteiligten westlichen Energiekonzerne ihre Finanzierung einstellen

werden. Denn rund ein Drittel der Kredite für das Projekt ist bereits

geflossen. Und die US-Sanktionen kommen nicht rückwirkend zur

Anwendung. Deshalb lehnt sich Uniper-Chef Klaus Schäfer nicht allzu

weit aus dem Fenster, wenn er sagt, er glaube an das Projekt Nord

Stream 2 und sei fest davon überzeugt, dass es realisiert wird. Die

europäische Energiepolitik dürfe nicht zum Spielball der

amerikanischen Wirtschafts- und Innenpolitik werden. Gemeint ist

damit der Versuch der Amerikaner, russisches Erdgas zugunsten von per

Schiff angeliefertem US-Schiefergas vom europäischen Markt zu

verdrängen.

Für die Europäer ist US-Gas bisher uninteressant, weil es unter

hohen Kosten für den Transport verflüssigt werden muss und deshalb zu

teuer ist. Der geringe Anteil an Flüssiggas, der bisher in Europa zum

Einsatz kommt, stammt hauptsächlich aus dem arabischen Emirat Katar.

So wird es wohl bleiben.

Die neuen US-Sanktionen gegen Russland laufen den wirtschaftlichen

Interessen Deutschlands und der Europäischen Union derart zuwider,

dass ihre strenge Umsetzung durch Präsident Trump einen Krieg der

Wirtschaftssanktionen zwischen Europa und den USA auslösen würde.

Daran jedoch ist beiden Seiten so wenig gelegen, dass die Sanktionen

hoffentlich in der Grauzone der praktischen Umsetzung verpuffen

werden.

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