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27/06/2017 10:15:44
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OTS: Atradius / Europäische Elektronikhändler: Erhöhtes Liquiditätsrisiko ...


Europäische Elektronikhändler: Erhöhtes Liquiditätsrisiko durch

Umsatzsteuerkarusselle

Köln (ots) - Sogenannte Umsatzsteuerkarusselle und die gegen sie

eingeleiteten Schritte der Steuerbehörden haben in den vergangenen

Monaten das Liquiditätsrisiko in der europäischen Informations- und

Kommunikationstechnikbranche (IKT) erhöht. Darauf weist der

internationale Kreditversicherer Atradius hin. Von den Ermittlungs-

und Strafmaßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Betrugsmuster

ergriffen wurden, waren zuletzt vermehrt Groß- und Einzelhändler von

Unterhaltungselektronik betroffen - in Deutschland und vor allem in

Osteuropa. In der Folge kam es gehäuft zu Zahlungsausfällen für die

Lieferanten und Dienstleister der Branche, deren Zahlungsmoral

traditionell als eher stabil gilt.

"Umsatzsteuerkarusselle sind heimtückisch, weil sie innerhalb

kürzester Zeit die Existenz auch von unwissend beteiligten

Unternehmen bedrohen können", sagt Michael Karrenberg, Regional

Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe &

Russia/CIS bei Atradius. "Wird die Betrugsmasche professionell

durchgeführt, ist es für Firmen oft kaum zu erkennen, dass sie in

einem solchen Karussell involviert sind. Gleichzeitig gehen

Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft schon im Verdachtsfall sehr

strikt gegen Beteiligte vor. Selbst wenn am Ende ein Freispruch für

ein Unternehmen erfolgt, ist häufig die finanzielle Basis bereits

zerstört durch die bis dahin erfolgten Maßnahmen wie Pfändungen,

eingefrorene Konten oder der Untersuchungshaft von Mitarbeitern."

Von 2015 auf 2016 erhöhten sich bei Atradius die durch

IKT-Unternehmen in Mittel- und Osteuropa verursachten

Schadenszahlungen um mehr als das Vierfache. Auch in naher Zukunft

erwartet der Kreditversicherer weitere Schäden in der Branche infolge

von Umsatzsteuerkarussellen. Die zuletzt größten Fälle gab es in

Polen und Tschechien, auch in Deutschland waren Firmen betroffen.

Umsatzsteuerkarusselle: häufig professionell und schwer zu

enttarnen

Der Betrug mittels Umsatzsatzsteuerkarussell baut auf einer

Ausnahme im EU-Recht auf: Demnach muss bei innergemeinschaftlichen,

grenzüberschreitenden Lieferungen zwischen Unternehmen nicht wie

sonst üblich der Verkäufer die Umsatzsteuer abführen, sondern erst

der Erwerber beim Weiterverkauf der Ware innerhalb des eigenen

Landes.

Betrüger können diese Regelung für Steuerdelikte ausnutzen. Sie

beziehen - häufig über Briefkastenfirmen - Waren aus dem EU-Ausland

zum Nettopreis (= ohne Umsatzsteuer). Diese Waren verkaufen sie im

Inland weiter. Bei diesen Weiterverkäufen geben sie ihren

ursprünglichen Nettoeinkaufspreis (= ohne Umsatzsteuer) als

Bruttoeinkaufspreis (inkl. Umsatzsteuer) aus. Auf den neuen,

gefälschten Nettoeinkaufspreis geben sie einen geringen

Preisaufschlag und veräußern die Waren zuzüglich Umsatzsteuer. Später

lassen sie sich dann vom Finanzamt die Umsatzsteuer erstatten, die

sie beim Kauf gerade nicht bezahlen mussten. So erzielen sie

insgesamt einen Gewinn. Zur Vertuschung dient neben Scheinrechnungen

oft auch ein komplexes Firmengeflecht, in dem die Waren schnell und

mehrfach den Eigentümer wechseln - stets mit Ausweisung der

Umsatzsteuer, so dass es nach außen den Anschein eines normalen

Handelsgeschäftes hat. Der aus Betrügersicht ideale Fall tritt ein,

wenn die Waren irgendwann wieder im EU-Ausland landen und der

Kreislauf erneut beginnen kann.

Hintergrund: IKT-Branche besonders anfällig für die Betrugsmasche

In dieses Geflecht werden häufig auch unwissende Unternehmen

eingebunden. Die IKT-Branche bietet aufgrund der Art ihrer Produkte

Steuerbetrügern hierfür viele Möglichkeiten. So ist der logistische

Aufwand zum An- und Verkauf von Mobiltelefonen, Bildschirmen,

Festplatten, Tablets im Vergleich zu anderen Branchen relativ gering,

auch bei hohen Stückzahlen. Gleichzeitig sind die Innovationszyklen

kurz, so dass die jeweiligen Modelle schnell weiterverkauft werden.

Gerät ein Händler ins Visier der Ermittler, haben die eingeleiteten

Maßnahmen dann oft verheerende Folgen - bis hin zu einer möglichen

Insolvenz des Unternehmens.

"Verwicklungen in Umsatzsteuerkarusselle sind auch von außen oft

schwierig zu erkennen", sagt Michael Karrenberg. "Einkäufer sollten

nach unserer Erfahrung vorsichtig sein bei Angeboten deutlich unter

dem üblichen Marktwert - gerade dann, wenn die Waren vom Verkäufer

als einmalige Gelegenheit oder Sonderposten deklariert werden. Beim

Weiterverkauf ist es ein Indiz, wenn der Firmensitz des Käufers und

der Lieferort in unterschiedlichen Ländern liegen, wobei der

Lieferort oft ein Lager eines externen Logistikanbieters ist. Die

Ware wird dort gegen Vorkasse oder Direktzahlung freigegeben und vom

Käufer abgeholt - unter anderem, weil sich der Abnehmer so einer

Prüfung durch die Kreditversicherung des Lieferanten entzieht, da in

diesem Fall keine zu versichernde Forderung entsteht. Skeptisch sein

sollte man auch bei Geschäftskontakten, die nicht persönlich bekannt

sind und als Vermittler für regelmäßig wechselnde Lieferanten oder

Kunden auftreten."

IKT-Branche: vielfältige Herausforderungen

Neben den erhöhten Risiken durch Umsatzsteuerbetrug sieht sich die

IKT-Branche - weltweit - erhöhtem Preisdruck und sinkenden Margen

ausgesetzt. Besonders in gesättigten Märkten stehen die Unternehmen

einer geringen Produktdifferenzierung sowie wachsendem Wettbewerbs-

und Veränderungsdruck durch die schnelle Weiterentwicklung von

digitalen Produkten und Services gegenüber.

Atradius bewertet das Ausfallrisiko für einen Lieferantenkredit

bei allen Abnehmern im IKT-Bereich individuell auf Basis von

Finanzkennzahlen und weiteren Daten. Aktuell erhöhte Ausfallrisiken

sieht der Kreditversicherer insgesamt bei Einzelhändlern, die über

keinen Online-Verkaufsplatz verfügen. Auch für Hardware-Großhändler

ergibt sich ein höheres Risiko, wenn ihre Logistik und Services

Schwächen aufweisen. Durch die relativ geringen

Markteintrittsbarrieren können Aufträge dann schnell an andere

Marktteilnehmer gehen. Auch Großeinkäufe von Modellen, deren Technik

plötzlich überholt ist, können zum Risiko werden, wenn der Händler

die Produkte nicht verkauft bekommt. Aufgrund des geringen

Eigenkapitals droht dann schnell die Insolvenz.

Derzeit positiv bewertet Atradius die Situation bei Anbietern von

Steuerungselementen, Medizintechnik sowie Soft- und Hardware für die

Automobilindustrie. Hier besteht aus Sicht des Kreditversicherers

aktuell nur ein geringes Forderungsausfallrisiko.

Eine aktuelle und detaillierte Analyse der IKT-Branche von

Atradius finden Sie im Internet unter www.atradius.de in der

Publikation MarktMonitor.

Über Atradius

Die Atradius Gruppe bietet weltweit Kreditversicherung,

Bürgschaften und Inkassodienste an. Mit 160 Büros in mehr als 50

Ländern hat Atradius Zugang zu Bonitätsinformationen von mehr als 240

Millionen Firmen weltweit. Das Produktangebot hilft Unternehmen auf

der ganzen Welt, sich vor Forderungsausfällen zu schützen, wenn

Kunden gelieferte Waren oder erbrachte Dienstleistungen nicht

bezahlen können. Atradius ist Teil der Grupo Catalana Occidente

(GCO.MC), die in Spanien zu den größten Versicherern und weltweit zu

den größten Kreditversicherern gehört. www.atradius.de

OTS: Atradius

newsroom: http://www.presseportal.de/nr/52329

newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_52329.rss2

Pressekontakt:

Atradius Kreditversicherung

Stefan Deimer

Pressereferent

Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2016

stefan.deimer@atradius.com

Astrid Goldberg

Pressesprecherin

Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210

astrid.goldberg@atradius.com

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